Elektrolokomotive E69 03

Die Elektrolokomotive E69 03

Die Lokalbahn Aktiengesellschaft konnte am 01.Januar den ersten planmäßigen elektrischen Zug auf die Strecke Murnau - Oberammergau schicken, die mit dem neuartigen Einphasen-Wechselstromsystem elektrifiziert worden war. Die Spannung betrug 5 kV bei 16Hz, das ganze System sollte sich als richtungsweisend für den elektrischen Eisenbahnbetrieb in Mitteleuropa erweisen. War der Betrieb zuerst nur mit elektrischen Triebwagen aufgenommen worden, folgte noch im selben eine kleine elektrische Lokomotive für den Güterverkehr, die LAG 1, die erste Wechselstromlokomotive in Europa, die heute in München im Deutschen Museum zu bewundern ist. Da sich die Lok bewährte, folgten ihr bald zwei weitere Lokomotiven, die die vier Triebwagen ablösten.
Als dritte Ellok wurde 1912 die LAG 3 von der Lokfabrik Krauss&Comp. in München mit der Fabriknummer 8086 fertiggestellt, den elektrischen Teil bauten die Siemens-Schuckert-Werke in Berlin. Der mechanische Teil war weitgehend baugleich mit der LAG 2, die 3 Jahre zuvor abgeliefert worden war. Eingesetzt wurde die Lok ausschließlich zwischen Murnau und Oberammergau im Personen- und Güterzugdienst, die deutschen Staatsbahnen elektrifizierten ihre Strecken ja mit 15 kV und einer Frequenz von 16 2/3 Hz. Im Jahr 1938 erhielt die LAG 3 eine komplett neue und stärkere elektrische Ausrüstung, die von BBC mit der Fabriknummer 5186 hergestellt und in der Werkstätte Murnau in die Lok eingebaut wurde. Um Platz für die größere Ausrüstung zu schaffen, mußte der Aufbau der Lok erhöht werden, ansonsten änderte sich wenig. Nach der erzwungenen Verstaatlichung der LAG am 16.06.1938 wurde die Lok in E 69 03 umgezeichnet, wegen dem abweichenden Stromsystem blieb es aber beim Einsatz auf der Oberammergauer Lokalbahn.
Erst die Deutsche Bundesbahn entschloß sich Anfang der 50er Jahre, die alten Fahrleitungsanlagen zu ersetzen und bei dieser Gelegenheit an das landesweite Bahnstromsystem anzupassen. Am 04. Oktober war es dann soweit, nun stimmten nicht mehr nur die Schienen, sondern auch die elektrische Ausrüstung der Strecke mit "der großen weiten Welt" überein. Als erste Ellok war die E 69 05 an die neue Spannung angepaßt worden, die Frequenzänderung war unerheblich. Im Frühjahr 1955 folgten E 69 02, 03 und 04, während die E 69 01 ausgemustert und als Museumslokomotive hergerichtet wurde. Alle Umbauten erledigte das AW München-Freimann.
Allerdings kehrte die E 69 03 nicht mit ihrer Schwester E 69 02 an den Alpenrand zurück, sondern wurde in den neuen Heidelberger Hauptbahnhof zum Rangierdienst abkommandiert. Die anfänglichen Skepsis der Personale gegenüber den kleinen Loks Lügen strafend, bewährten sie sich auch in ihrem neuen Aufgabengebiet recht gut und blieben bis 1964 der Stadt am Neckar treu.
Inzwischen zeigte sich in ihrer Heimat aber ein gewisser Lokmangel, denn zwei Loks reichten für den Betrieb zwischen Murnau und Oberammergau nicht aus und der als Ersatz gedachte ET 85 war für die kurvige Lokalbahn nicht besonders geeignet. Außerdem war die gemeinsame Unterhaltung aller vier E69 in einer Werkstatt rationeller durchzuführen, so daß im Mai 1964 beide E 69 wieder in das Bw Garmisch zurückkehrten, das inzwischen für die Außenstelle Murnau zuständig war. Mit Ausnahme der Zwangspausen während der berühmten Passionsspiele in Oberammergau, wenn sie den Personenverkehr an größere Lokomotiven abgeben mußten, waren konnten sich alle E 69 bis Ende 1980 auf der Oberammergauer Lokalbahn in Betrieb halten, lediglich die E 69 04 wurde 1977 ausgemustert, um der E 69 03 einen Fahrmotor spendieren zu können. Ihr letztes Gnadenbrot verdienten sie sich anschließend zwischen Garmisch und Griesen mit Übergabezügen, bevor die mittlerweile als 169 003-1 bezeichnete Ellok gleichzeitig mit ihrer Schweste 169 002-3 am 29.Juli ausgemustert und sofort vom Verkehrsmuseum Nürnberg übernommen wurde. Als älteste betriebsfähige Elloks in Deutschland waren sie mittlerweile weit bekannt und bekamen somit im AW Freimann wieder eine Untersuchung, um das 150-jährige Jubiläum der deutschen Eisenbahnen mitfeiern zu können. Allerdings hielten sich die Laufleistungen als Museumsfahrzeuge in engen Grenzen, vor allem nach dem rigorosen Rückbau fast sämtlicher Kreuzungsbahnhöfe auf ihrer alten Stammstrecke. Seitdem können zwischen Murnau und Oberammergau keine Sonderzüge mehr verkehren. Nachdem die verlängerten Fristen abgelaufen waren, mußten beide E69 im Jahr 1996 erst einmal in Garmisch abgestellt werden.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Lokalbahn Murnau - Oberammergau konnte das BEM einen Leihvertrag mit dem Verkehrsmuseum Nürnberg (jetzt DB Museum Nürnberg) aushandeln und die Lok übernehmen. Für den Einsatz im Mai 2000 reichte die Verlängerung der bestehenden Fristen im Bw Garmisch aus, so daß die Lok zur Begeisterung vieler Eisenbahnfreunde an 14.Mai 2000 wieder vor planmäßigen Zügen auf ihrer alten Stammstrecke zu bewundern war. Sie mußte dann sogar die ausgefallenen 141 ersetzen, die ausgefallen war und konnte trotz ihres Alters den Fahrplan halten. Ende Mai wurde die Lok dann nach Nördlingen überführt, wo sie seitdem vor Pendelzügen nach Harburg oder im Museum zu bewundern ist.

Einige technische Daten der E 69:
Bauart:Bo
max. Geschwindigkeit:50 km/h
Leistung:370 kW (ca. 500 PS)
Dienstgewicht:26,0 t

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