ETA 150 011
Der ETA 150 011 entstand bei Orenstein & Koppel (Fabrik-Nr. O&K 150011) und wurde am 30.8.1955 dem Bw Recklinghausen zugeteilt, bei dem er bis 31.1.1970 im Einsatz war. Ab 1.2.1970 war Wanne-Eickel seine neue Heimat, die er erst Ende Mai 1978 verliess und ab dem 28.5.1978 in Augsburg stationiert war. Genau zehn Jahre war er auf allen von Augsburg ausgehenden nichtelektrischen Strecken zuhause, bis am 28. Mai 1988 der Akku-Betrieb in Augsburg endete.
Das Einsatzgebiet der Augsburger Triebwagen reichte von Füssen im Süden bis zur Linie Dombühl - Nördlingen im Norden, die Zugzielanzeiger mit 68 Positionen belegen dies. Auch vom Bw Nördlingen aus waren die Triebwagen im Einsatz und verabschiedeten sich erst 1985 nach Stilllegung der Nebenbahnen in dieser Region.
Unser „Elfer” war am letzten Einsatztag noch auf der Nebenbahn Mindelheim - Krumbach tätig, bei der Leerfahrt nach Günzburg lief er als geschmückter Schlusswagen. Von Günzburg nach Augsburg war er der einzige „Rote” im dann 7-teiligen Leerzug.
Bereits zu dieser Zeit entstand im BEM der Wunsch, einen Vertreter dieser Gattung zu erhalten. Umsichtige Verhandlungen führten zur vorerst langfristig gesicherten Abstellung im Bw Augsburg.
Zu dieser Zeit bestand die Planung der DB, einen zweiteiligen Kombi-Triebwagen zu konstruieren, der während der Fahrt unter Fahrleitung die Fahrenergie aus der Fahrleitung beziehen sollte, gleichzeitig aber auch die Akkus geladen werden. Als Baureihenbezeichnung war ETLO 528 (Elektrischer Triebwagen mit Lademöglichkeit aus der Oberleitung) vorgesehen, Basisfahrzeug der bereits einige Jahre im Betrieb stehende VT 628. Der 515 011 wurde nach seiner Ausmusterung an die damalige VersA München übergeben, welche zu im Auftrag des BZA die Versuche durchführen sollte. Dieses Projekt wurde jedoch verworfen, somit kam es auch nicht zu einer Überführung von Augsburg nach München-Freimann.
Nachdem der Triebwagen rund zwei Jahre ungenutzt im Bw Augsburg stand, entschloss man sich im Hinblick auf eine museale Nutzung durch Mitarbeiter des Bw Augsburg das Fahrzeug in eigener Regie herzurichten (daher auch der relativ gute Zustand des Fahrzeugs). Von der Firma VARTA wurden zu diesem Zweck insgesamt zwei Batteriesätze abgekauft, da die in den Betriebsfahrzeugen befindlichen Batterien lediglich samt der Unterhaltung von der Firma VARTA angemietet waren. Um sich eine teure Hauptuntersuchung bis zu einer Inbetriebnahme als Museumsfahrzeug zu sparen, erhielt das Fahrzeug eine Frist nach BOWerk und konnte so als Rangiergerät eingesetzt werden. Hauptsächliche Benutzung war die Bedienung der Wagenwerkstatt, wobei in der Regel bis zu drei Wagen bewegt wurden. Der Triebwagen wurde durch einen von drei eingewiesenen Werkstattmitarbeitern oder in seltenen Fällen auch vom Schuppenobmann (Drehscheibenwärter) bedient. Dieser Einsatz endete schließlich im Dezember 1994.
Im Jahr 1996 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet und der Triebwagen wechselte in das Eigentum des BEM. Er blieb weiterhin geschützt in der Augsburger Halle abgestellt, bis diese Anfang 2001 wegen Baufälligkeit geräumt werden musste. Daraufhin erfolgte die Überführung ins Museum nach Nördlingen. Wegen der Abstellung im Freien ist eine Neulackierung vorgesehen, um einen typischen Vertreter der „Nierentisch-Epoche” langfristig der Nachwelt zu erhalten.
Technische Grunddaten des ETA 150
| Bauart |
BD4 (150.0), ABD4 (150.1, 150.5) |
| Sitzplätze | 86 (150.0) |
| LüP | 23400 mm |
| Drehzapfenabstand | 15200 mm |
| Gesamtsachsstand | 17700 mm |
| Achsstand der Drehgestelle | 2500 mm |
| Leergewicht | 50 t (150.0), 57 t (150.1, 150.5) |
| Dienstgewicht | 55 t (150.0), 62 t (150.1, 150.5) |
| Fahrgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Nennleistung d. Fahrmotoren | 2 x 100 kW bei 33,7 km/h |
| Batteriespannung | 440 V Gleichstrom |
| Heizung | Ölgefeuerte Luftheizung bzw. 4 Webasto-Luftheizgeräte mit je 6500 WE/h |
Quellen: Thüringer Eisenbahnverein e.V., Erfurt, Beschreibung der Akkumulatorentriebwagen
Nr. 581 / 582 bis 615 / 616 der Deutschen Reichsbahn (ETA 179 der DB), Januar 2002;
Taschenbuch Deutsche Triebwagen, Horst J. Obermayer, Franckh-Verlag Stuttgart 1974;
eisenbahn magazin 12 / 1989, Alba Publikationen, Düsseldorf 1989;
Statistik R. Wisotzky, Bielefeld; Aufzeichnungen P. Müller, Pullach; F. Dudek, München
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