Anfang der Fünfziger Jahre wurden bei der Deutschen Bundesbahn noch etwa 1200 Dampflokomotiven aus über 24 Baureihen im Rangierdienst eingesetzt. Viele der Dampflok waren überaltert und zu ersetzen. Im Jahr 1953 schlossen sich acht deutsche Lokomotivhersteller unter Federführung des Bundesbahnzentralamtes München zur „Arbeitsgemeinschaft für die Entwicklung der V 60-Diesellokomotive der DB” zusammen.
Erste Aufgabe war die Klärung der idealen Leistungsgröße, um mit der Baureihe V 60 möglichst viele der Dampflokbaureihen ersetzen zu können. Nachdem auch die technischen und konstruktiven Anforderungen definiert waren, begann der Bau von vier Prototypen, die bereits Ende 1955/Anfang 1956 zur Verfügung standen. Ab 1957 lief die Serienproduktion an. V 60 860 wurde drei Jahre später fertig, am 10 März 1960 von der Deutschen Bundesbahn abgenommen und dem Bw München Hbf übergeben.
Zum Zeitpunkt ihrer Anlieferung waren schon etliche V 60 in den meisten bayerischen Bahnbetriebswerken stationiert, welche viele – aber längst noch nicht alle – meist Bayerischen Rangier-Dampflokomotiven der Baureihe 896, 897-8 und 9220 verdrängt hatten. Eine dieser fleißigen Vorgängermaschinen der V 60 in Bayern kann ebenfalls im Bayerischen Eisenbahnmuseum bewundert werden: 89 837 (Baujahr 1921). Noch 1963 trafen letzte fabrikneue V 60 im Bw München Hbf ein. Die Rangierdampfloks waren zwischenzeitlich verschwunden und auch für die letzten bayr. Dampflok der Baureihe 54.15-17 (G 3/4 H), welche noch mit Rangierübergabezügen im Stadtgebiet, meist am Nordring unterwegs waren, war die Zeit im Herbst 1963 abgelaufen – die Ablösung war auch hier die V 60.
Unser Bw Nördlingen bekam am 20. November 1956 als erste fabrikneu die V 60 208 zugewiesen, am 13. 12. 1956 zusätzlich noch die V 60 213. Beide rangierten im Bahnhof Donauwörth als Ersatz für Nördlinger Dampflok der Baureihe 94.
V 60 854 (Neuanlieferung) und V 60 853 (vom Bw Kempten) waren dann von 1960 bis zur Abgabe der Baureihe V 60 an das Bw Ingolstadt am 31.12.1971 dem Bw Nördlingen treu. Der Rangierdienst im Bahnhof Donauwörth war ihr Einsatzgebiet. Von 1968 bis 1971 zählte aber auch der „Sammelgüterzug” 8867/8254 Nördlingen-Ansbach (77km einfach!) zu den Aufgaben der Nördlinger V 60. Während dieser Zeit war eine dritte V 60, die altbekannte V 60 213, in Nördlingen zuhause.
Mit dem vermehrten Einsatz von Wendezügen und Triebwagen sowie durch den großflächigen Rückzug der Deutschen Bahn AG im Güterverkehr wurden zahlreiche V 60, insbesondere die nicht auf Funkfernsteuerung umgebauten Lok, überflüssig.
Der letzte Einsatztag von V 60 860 (seit 1.1.1968 als 260 860-2, seit 1.10.1987 als 360 860-1 bezeichnet) war der 22. Februar 2002.
Danach reihte sich die „860” in die langen Reihen der in München bereits abgestellten V 60 ein. Angekommen an der „Endstation Schrottplatz” nahm das Schicksal nun aber einen anderen Lauf! Mitglieder des Bayerischen Eisenbahnmuseums gelang es mit dem Wohlwollen der Verschrottungsfirma, welche die Lok bereitwillig an die DB im Tausch gegen eine andere V 60 zurückgab, von DB Railion zu erwerben. Eigentlich wäre sie bereits verschrottet gewesen, wenn nicht die Hydraulikschere einen größeren Schaden erlitten hätte – die Verschrottung einer V 60 dauert mit dieser Schere weniger als einen Arbeitstag, über 40 Maschinen wurden allein hier im Herbst 2004 zerlegt. Nach wenigen bangen Tagen holte – Ironie des Schicksals – eine Dampflok unsere 860 in die Welt der Eisenbahn zurück! Nach einem dreiviertel Jahr Mühe und Fleiß für die Beseitigung von Vandalismusschäden, einer Neulackierung entsprechend der Anlieferung und einer technischen Aufarbeitung mit Wiederinbetriebnahme brummt der Maybach-Diesel wieder „wie ein Schweizer Uhrwerk”.
Mit V 60 860 sind nun alle Baureihen aus der Dieselzeit des Bw Nördlingen wieder im Bayerischen Eisenbahn-museum vorhanden und entsprechend unseres Anspruchs, ein lebendiges Eisenbahnmuseum zu zeigen, auch funktionsfähig!
Einige Daten:
| Hersteller: | Krauss Maffei in München Allach, Fabriknummer 18622 |
| Baaujahr: | 10 März 1960 |
| einziges BW: | München Hbf (1960 – 2002), somit auf allen Münchner Bahnhöfen im Einsatz |
| Höchstgeschwindigkeit: | 60 km/h |
| Gewicht: | 48 Tonnen |
| Achsdruck: | 16 Tonnen |
| Motor: |
Maybach/MTU Typ GTO 6A, 12 Zylinder mit 48 Liter Hubraum Maybach-Turbolader |
| Leistung: | 650 PS |
| Tank: | 1350 Liter Diesel; |
| durchschnittlicher Verbrauch: | 30-40 Liter/Stunde |
Literaturempfehlung:
Arno Bretschneider/Manfred Traube "Die Baureihe V 60"; EK-Verlag Freiburg
Für Internetfans: www.v60.de
Sollten Sie Fotos oder Informationen zur Einsatzgeschichte der V 60 860 alias 260 860-2 bzw. 360 860-1 haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns diese mitteilen bzw. überlassen könnten!
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