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Bayerisches Eisenbahnmuseum

Baureihe 01

 

Schnellzugdampflokomotiven der Baureihe 01 des BEM

01 024, 01 066 und 01 180

 

 

Nach Gründung der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft als Nachfolger der deutschen Länderbahnen 1920 wurde schon bald begonnen, den teilweise veralteten und verschlissenen Lokomotivpark durch neue, typisierte Lokgattungen zu ersetzten. Die erste Baureihe, die nach den neuen Grundsätzen entworfen wurde, war die Schnellzuglokomotive der Baureihe 01, da eine neue, leistungsfähhige Schnellzuglokomotive besonders notwendig erschien, um der entstehenden Konkurrenz zu begegnen. 1926 lieferten Borsig und AEG die ersten 10 Prototypen aus. Nach etlichen Veränderungen und Vergleichen mit den Vierzylinderloks der Baureihe 02 begann die Serienfertigung von insgesamt 241 Maschinen bei den verschiedenen deutschen Lokfabriken.
Einsatzgebiet der Baureihe 01 war der mittlere und schwere Schnellzugdienst im gesamten Reichsgebiet - mit der Einschränkung, daß die jeweiligen Strecken auf 20t Achsdruck ausgebaut sein mußten, was anfangs ein Problem darstellte. Mehr zu diesem Planungsfehler bei der Baureihe 03. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieben die Lokomotiven der Baureihe 01 die Paradepferde in den Lokparks beider deutscher Bahnverwaltungen, auf die erst gegen Ende der achtziger Jahre verzichtet werden konnte.

01 066 (ex DRG 01 066, ex DR 01 066/01 2066)

Die 01 066 wurde 1928 bei Schwartzkopf (Fabriknr. 9020) in Berlin gebaut und wurde zuerst dem Bw Hannover Ost zugeteilt. Ab 1944 gehörte sie dem Bw Magdeburg Hbf und erlebte dort das Kriegsende.
Nach Aufenthalten in den Bw Leipzig Hbf West, Nordhausen und Bw Erfurt P von 1946 bis 1954 wurde sie bis 1970 nocheinmal Magdeburg zugeteilt. Danach wurde sie dem Bw Dresden zugeteilt und war dort hauptsächlich vor schweren Schnellzügen nach Berlin zu sehen, bis am 1.November 1977 ihre Ausmusterung erfolgte, der 1978 der Verkauf an den VEB Waschmittelwerk Genthin, Betriebsteil Nauen folgte.
Den neuen Einsatzort als Heizlok erreichte sie noch mit eigener Kraft. Nach und nach wurden jedoch alle Teile, die nicht zum Betrieb als Heizlok erforderlich waren, abgebaut, so daß die Lok nur noch ein sehr trauriges Bild abgab. Im April 1989 wurde die Lok endgültig außer Dienst gestellt und konnte bereits kurz nach der Wende vom Bayerischen Eisenbahnmuseum erworben werden.
Nach dem Transport in Einzelteilen in das Raw Meiningen konnte sie dort mit Teilen von Loks der BRen 01, 44 und 50 wieder vervollständigt werden und im August 1993 wieder in Dienst gestellt werden. Im Mai 1996 war sie als zweite Lok auf der Märklin-Tour durch ganz Deutschland mit dabei. Die 01 066 ist im Bw Nördlingen stationiert und kommt von dort aus in ganz Süddeutschland zum Einsatz, daneben fanden bereits einige Einsätze ab München und Regensburg statt.

01 024

Daneben ist das BEM noch Eigentümer der 01 024, die 1927 bei Henschel & Sohn in Kassel mit der Fabriknr. 20827 gebaut wurde. Nach Stationierungen in den Bw Erfurt P (bis 1951) und Magdeburg wurde sie 1968 als erste 01 bei der DR ausgemustert. Zur Heizlokomotive umgebaut, diente sie noch in der Einsatzstelle Staßfurt des Bw Güsten, bevor der Torso vom BEM als Ersatzteilspender für die 01 066 erworben wurde. Seitdem ist sie auf dem Freigelände des Bw Nördligen hinterstellt.

Einige technische Daten der 01 (Altbau):

 

  • Bauart: 2'C1'h2
  • Gattung: S36.20
  • Vmax: 120 km/h
  • Leistung: 2240 PS
  • Dienstgewicht: 171 t
  • Keseeldruck: 16 bar

 

 

Weiter zu 01 180

 


 

01 180

 

 

Das Bayerische Eisenbahnmuseum kann mit der 01 180 nicht nur eine weitere Variante der berühmten Baureihe in seinen Bestand aufnehmen, sondern auch ein Stück bayerischer Eisenbahngeschichte. Die 01 180 war nicht nur seit 1965 in den bayerischen Bahnbetriebswerken  Würzburg, Nürnberg Hbf und Hof beheimatet, sondern gehörte auch zu den letzten in Süddeutschland eingesetzten Schnellzugdampflokomotiven.

Zur Geschichte dieser Lok: Sie wurde 1936 in Kassel von der Fa. Henschel & Sohn AG mit der Fabriknummer 22923 gebaut, am 27.05.1936 erfolgte die Abnahme durch die Deutsche Reichsbahn. Die erste Heimatdienststelle war das Bw Paderborn in der Rbd Kassel, also nicht weit vom „Geburtsort“ der Lok. Im dortigen Bw wurden Schnellzüge vom Osten des Ruhrgebiets über Altenbeken nach Hannover und nach Kassel gefahren, die steigungsreichen Strecken durch das Mittelgebirge dürften auch der 01 einiges abverlangt haben. Zeitweise wechselte die 01 180 auch zu den Bahnbetriebswerken Hagen Eckesey, Düsseldorf-Abstellbahnhof und Köln Betriebsbahnhof.

Obwohl zu Beginn der 50er Jahre das Ende der Dampflokomotive mit Konstruktion und Bau der DB-Einheits-Elloks schon eingeläutet war (ursprünglich war das Dampfende schon für das Jahr 1967 geplant), entschloss sich die Hauptverwaltung der DB dennoch, aus energiewirtschaftlichen Gründen eine gewissen Anzahl von Dampflokomotiven neu zu bauen. Nachdem aber feststand, dass die als Ersatz für die 01 gedachte Baureihe 10 nicht mehr zur Serie gebracht würde, begann die Deutsche Bundesbahn auch für die 01 mit der Neubekesselung. Immerhin versprachen die so umgebauten Maschinen eine etwa 8 Prozent höhere Leistung bei gleichzeitigem Einsparen von rund 5 Prozent Brennstoff. So schien sich die Neubekesselung unter den drei Aspekten Brennstoffersparnis, höhere Leistung und gleichzeitig durch die vollständige Schweißung niedrigere Instandhaltungskosten auch bei einer mit rund 10 Jahren verhältnismäßig kurzen Restnutzungsdauer wirtschaftlich darstellen.

Nach fünf neu angefertigten Kesseln im Jahr 1950 begann 1958 nach einigen Verbesserungen der serienmäßige Einbau bei 50 Lokomotiven durch das Ausbesserungswerk Frankfurt-Nied. Die 01 180 war im Juni 1960 an der Reihe: Sie erhielt einen Kessel der Fa. Jung mit der Fabriknummer 13024. Die wichtigsten Veränderungen gegenüber dem alten, originalen Kessel waren die Ausrüstung der Kessel mit Verbrennungskammer (damit eine Veränderung der Heizflächenverhältnisse zugunsten einer vergrößerten Strahlungsheizfläche), Einbau eines Heißdampfreglers sowie der Mischvorwärmeranlage Bauart MV 57.

In der Tat bestätigten sich sowohl die errechneten Einsparungen als auch die erwartete, gesteigerte Leistungsfähigkeit der Loks. War in den dreißiger Jahren durch das RZA in der Versuchsanstalt Grunewald die sogenannte Kesselgrenze mit dem Wert Hv= 57 kg/m2/h (theoretisch-praktisch ermittelter Grenzwert für die Heizflächenbelastung und damit für die Leistungsfähigkeit von Lokomotivkesseln) festgelegt worden, so konnten mit den DB-Neubaukesseln nunmehr Werte bis zu 85 kg/m2/h gefahren werden, was allein schon fast 30 Prozent Steigerung der Leistung bedeutete.

 

Nach der Neubekesselung wurde die Maschine dem Bw Osnabrück zugeteilt und fuhr zusammen mit 0110 hauptsächlich auf der Rollbahn zwischen Aachen, Köln im Südwesten bis nach Bremen und Hamburg. Tageslaufleistungen über 800 km waren keine Seltenheit. 1963 standen in Osnabrück genügend 0110, so dass die 01 180 nach Kaiserslautern weitergereicht wurde, um P10 und 03 zu ersetzen. Dort war 1964 auch die 01-Instandhaltung aus Ludwigshafen hin verlegt worden; die Einsätze liefen aber wie gehabt weiter ab Ludwigshafen und führten die Maschinen nach Kaiserlautern, Frankfurt (Main) Hbf, Bingerbrück und Karlsruhe.

Am 2. Juni 1965 wechselte sie erneut – diesmal in die BD Nürnberg zum Nürnberg Hbf. Vom 2. Juli bis 8. September 1965 mußte unsere Lok noch einmal kurzzeitig beim Bw Würzburg aushelfen. Nach den Streckenelektrifizierungen blieb hier den 01 nur noch die Führung der schnelleren Züge Richtung Schweinfurt-Bamberg. Danach wieder in Nürnberg Hbf, gehörte die Bespannung der Schnellzüge via Ansbach – Dombühl – Crailsheim nach Stuttgart zu ihren Aufgaben. Zum Fahrplanwechsel im Mai 1967 wurde die Dampflokunterhaltung beim Bw Nürnberg Hbf aufgegeben und die letzten dort beheimateten 01 zur BD Regensburg, Bw Hof abgegeben.

 

Diese oberfränkische Dienststelle in der Nähe des südlichen Endes der deutsch/deutschen Grenze bekam Ende der Sechziger Jahre immer mehr Aufmerksamkeit durch Eisenbahnfreunde, gab es hier doch noch echten Schnellzugdampf. Die 01 des Bw Hof befuhren dabei hauptsächlich die Strecken über Weiden nach Regensburg und Lichtenfels/Bamberg, wobei auch die berühmte Schiefe Ebene von Neuenmarkt-Wirsberg nach Marktschorgast gemeistert werden musste.

01 180 konnte sich immerhin bis zum Ende des Winterfahrplans 1972/73 im Betriebsbestand halten, doch waren kaum noch hochwertige Leistungen im Dienstplan. Nachdem am 01.06.1973 in Süddeutschland Schluß mit König Dampf im Fernverkehr war, gab es am 02. und 03.06.1973 noch einmal eine Abschiedsrundfahrt des Bundesverbands Deutscher Eisenbahnfreunde (BDEF), zu der wohl über 1000 Eisenbahnfans anreisten. Die 01 180 wurde aus diesem Anlaß auch noch einmal unter Dampf gezeigt, bevor auch bei ihr das Feuer ausging.

Dem Schweizer Unternehmer Ferdinand Steck ist es zu verdanken, dass sie nicht dem Schneidbrenner zum Opfer fiel. Eigentlich war es der Wunsch  des damaligen Junjior und heutigen Senior, dass sein Vater Ihm ein großes Rad einer Dampflok aus Deutschland mitbringt. Das hatte Ferdinand Steck mit Schweizer Humor auch getan - allerdings hing da noch eine ganze Lok daran. Im Mai 1975 rollte sie in ihre neue Heimat, den Ort Bowil (südöstlich von Bern im gleichnamigen Kanton gelegen), ab und wurde auf dem Werksgelände unter Dach aufbewahrt.

Umfangreiche Untersuchungen durch die beiden Initiatoren ergaben, dass sich die Maschine in einem aufarbeitungswürdigen Zustand befindet. Ziel ist daher die betriebsfähige Instandsetzung in den nächsten Jahren, um passend zur 01 066 eine weitere attraktive Schnellzugdampflok einsatzbereit für die Nachwelt erhalten zu können.

 

 

 

 


Einige technische Daten der 01 (Umbau):

 

  • Bauart: 2'C1'h2
  • Gattung: S36.20
  • Vmax: 130 km/h
  • Leistung: 2328 PS
  • Dienstgewicht: ??? t
  • Keseeldruck: 16 bar